50er/60er

In den 50ern und 60ern viel erlebt

Das moderne Rosenaustadion war erste Wahl für Leichtathletikveranstaltungen, dank hervorragender Organisation und begeistertem Publikum. Man sprach von der „Sportstadt“ Augsburg. Zwölf Leichtathletik-Länderkämpfe fanden hier statt. Bis 1961 kamen fast 3,5 Millionen Zuschauer zu über 400 Veranstaltungen.

Feldhandball:

1953 Feldhandball-Länderspiel Deutschland – Österreich vor 35.000 Zuschauern.

1954, 3. August   Feldhandball-Länderspiel Deutschland – Schweden vor 40.000 Zuschauern. Betitelt als „Kampf der Giganten“ oder „Das Wunder von Augsburg“ (15:9 Sieg).

Beim „Großfeldhandball“ spielen je Team 10 Feldspieler und ein Torwart. Der Torraum ist ein 13 Meter großer Halbkreis, der Strafwurf erfolgt aus 14 Metern. Das Spielfeld besteht aus drei Abschnitten: zwei Torraumabschnitte je 35 Meter vor dem Tor und ein Mittelabschnitt. Jeder Abschnitt darf von maximal 6 Spielern einer Mannschaft betreten werden.

Leichtathletik national:

1953 Große deutsche Leichtathletik-Meisterschaften vor 50.000, mehrtägig.

1963 Große deutsche Leichtathletik-Meisterschaften vor 60.000, mehrtägig, 9.-11. August.

Leichtathletik international, Länderkämpfe:

1952, 23. August:  Deutschland – Schweiz vor 30.000 Zuschauern.

1953, 6. September:  Deutschland – Jugoslawien (nur Frauen)

1955, 25. Juni:   Deutschland – Jugoslawien (nur Männer)

1962, 7./8. Oktober:   Deutschland – Ungarn (nur Männer)

1965, 11. August:   Deutschland – USA (nur Männer) vor 35.000.

1967, 12./13. August:   Mehrkampf der Junioren Deutschland – Frankreich.

1969, 5. August:   Deutschland – USA vor 35.000.

Das Marathontor mit Blick ins Stadion

Das Marathontor mit Blick ins Stadion

Fußball:

1952, 18. Mai: BC Augsburg gegen FC Liverpool (1:4), Freundschaftsspiel, 35.000 Zuschauer.

1957, 14. Juli: „Länderkampf“, Fußball-Länderspiel der Frauen, Deutschland – Österreich (5:0), 10.000 Zuschauer. Sportfotograf Eugen Schmitz: „Ich war überrascht, wie gut die gespielt haben, so elegant, das könnte man fast Fußballballett nennen.“

1957, 29. Dezember:   DFB-Pokal-Endspiel FC Bayern München – Fortuna Düsseldorf vor 35.000, (1:0), erster Pokalsieg der Bayern.

1958, 21. Dezember:   Fußball-A-Länderspiel Deutschland – Bulgarien vor 56.000, (3:0), u.a. mit Helmut Haller und Max Morlock.

1959, 5. August:   Vorbereitungsspiel DFB-Amateure gegen ein Team aus Spielern des FC Bayern, 1860 München sowie BC Augsburg (alle Oberliga) vor 12.000 Zuschauern (3:2). Das Spiel war ein Test für zwei Ausscheidungsspiele der BRD gegen die DDR für die Olympia-Qualifikation.

1961, 22. Oktober:   Fußball-A-Länderspiel der WM-Qualifikation Deutschland – Griechenland vor 52.000, (2:1), beide Tore durch Uwe Seeler.

1966, 19. Juni:   vorletztes WM-Vorbereitungsspiel, Nationalmannschaft – U23 Österreich (4:0), Tore durch Brülls, 2 x Held und Haller. 30.000 Zuschauer bei strömenden Regen. Kein offizielles Länderspiel, die Nationalmannschaft war als „DFB-Team“ getarnt. Die Begegnung wird nicht in den Länderspielstatistiken geführt.

1968, 3. April:   Europapokal der Landesmeister, Cardiff City – Moscow Torpedo (1:0), Entscheidungsspiel auf neutralem Rasen nach einem Unentschieden aus Hin- und Rückspiel.

1970, 16. September:   Erste Europapokal-Runde (heutige Champions League) Borussia Mönchengladbach – EPA Larnax (zyprischer Meister) (6:0) vor 18.000 Zuschauern. („Heimspiel“ der Zyprer, auf eigenen Wunsch in Deutschland, wegen der lukrativen Zuschauereinnahmen)

Auch die Datschiburger Kickers spielten mehrmals im Rosenaustadion. Die Benefiz-Fußballmannschaft mit bekannten Fußballern, Sportlern und Prominenten in wechselnder Besetzung wurde 1965 gegründet und ist heute noch aktiv. Am 17. Juli 1965 sahen 30.000 Zuschauer im Rosenaustadion das erste Spiel der Kickers, gegen den FC Schmiere, eine Mannschaft aus Kabarettisten der Lach- und Schießgesellschaft zusammen mit prominenten Gästen.

Persönlichkeiten:

Augsburgs berühmter Boxer Willi Färber war von 1951 bis 1972 Platzwart im Rosenaustadion. Seine Fliegengewicht-Kampfbilanz von 1947-1951: 29 Siege, davon 17 K.O.s, fünf Niederlagen und sieben Unentschieden.

Ebenso bekannt ist Paul Renz, der die internationalen Pfingstturniere der Fußballjugend im Rosenaustadion von 1953 bis 1991 organisiert hat und nach dem die Paul-Renz-Sportanlage an der Donauwörther Str. 170 benannt ist.

Politik, Religion, Geschichte:

1951 fand der Deutsche Katholikentag im Rosenaustadion statt.

1953, am 14. Juni, sprach der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer vor 20.000 Zuhörern im Rosenaustadion über den „Neuen Kurs“ der DDR-Regierung, der kurz darauf zum Volksaufstand des 17. Juni führte: „das ist eine Bankrotterklärung des kommunistischen Regimes in Deutschland“.

1955 wurde die 1000-Jahr-Feier der „Schlacht auf dem Lechfeld“, dem Sieg Ottos des I. über die heidnischen Ungarn im Jahr 955, im Rosenaustadion abgehalten. Außenminister Heinrich von Brentano forderte vor 60.000 Zuschauern die Christenheit zum Kampf gegen das „neue Heidentum“ des Kommunismus auf.